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Toleranz ist Trumpf

Einschneidende Diäten als Risiko für Mutter und Kind

Schwangerschaft und Co.: Keine strengen Ernährungsregeln zur Allergieprävention. Einschneidende allergenarme Diäten für Schwangere, stillende Mütter und Babys gehören der Vergangenheit an. Heute empfehlen Experten, während der Schwangerschaft und bei der Beikost abwechslungsreich und vielfältig zu essen. Der Körper des Kindes lernt so besser, diese Nahrungsmittel als Teil der täglichen Ernährung wahrzunehmen und nicht als störende Stoffe, gegen die er sich in Form von Allergien wehren muss.

Bis vor kurzem empfahlen Experten werdenden Müttern in der Schwangerschaft sowie in der Stillzeit, Lebensmittel zu vermeiden, die als Auslöser von Allergien bekannt sind. Doch nach wie vor fehlen wissenschaftliche Belege, dass eine spezielle Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft oder des Stillens einer Allergie bei Kindern wirklich vorbeugt. Endlich darf also wieder mit Genuss und abwechslungsreich gegessen werden. Auch bei der Beikost rudern die Experten zurück. Diese doppelte Entwarnung ist vor allem für Milch und Milchprodukte wichtig, denn sowohl Schwangere als auch Babys benötigen Kalzium, um die Knochen und Zähne zu stärken und die Knochenbildung voranzutreiben. Kalzium ist in Milch und Milchprodukten bekanntlich reichlich enthalten.

Das Motto heißt heute also: Abwechslung in der Ernährung ist der beste Schutz - für Mutter und Kind. So lernt das Immunsystem des ungeborenen Kindes beziehungsweise des Säuglings allmählich mögliche Allergene kennen. Der Körper nimmt die verschiedenen Stoffe als natürlich an und wehrt sie nicht mehr ab, wie das bei Allergien der Fall ist. Ebenfalls der Vergangenheit gehört die Empfehlung an, erst im Laufe des zweiten Lebenshalbjahrs des Kindes mit der Beikost zu beginnen. Wer nach den Empfehlungen des Forschungsinstituts für Kinderernährung in Dortmund ab dem fünften Lebensmonat mit der Beikost beginnt und in dieser Zeit weiter stillt, schützt sein Kind am besten vor möglichen Allergien.

Diplom-Ökotrophologin Dr. Imke Reese ist Ernährungstherapeutin mit dem Schwerpunkt Allergologie. Auch sie weist darauf hin, dass über Jahre und Jahrzehnte davon ausgegangen wurde, dass sich Allergien am besten verhindern lassen, wenn die häufigsten Allergene wie Kuhmilch, Hühnerei oder Weizen möglichst lange gemieden werden: ''Ein solches Vorgehen nimmt dem Körper aber offenbar die Möglichkeit, sich aktiv mit der Umwelt - einschließlich der Ernährung - auseinanderzusetzen und Toleranz auszubilden.'' Nach Ansicht der Münchner Expertin steht daher heute die Frage im Vordergrund, wie der Körper so gestärkt werden kann, dass er nicht den Irrweg der Allergie geht, sondern sich in Richtung Toleranz entwickelt.

2009 hat auch die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) eine überarbeitete Leitlinie zur Allergieprävention veröffentlicht. Demzufolge sind einschneidende allergenarme Diäten für Mutter und Kind eher schädlich als nützlich. ''Zum einen bedeuten Diäten, die den Verzehr von Grundnahrungsmitteln einschränken oder verbieten, immer ein Risiko für Mutter und Kind. Und zum anderen können diese Diäten eine Allergieentwicklung letztlich nicht verhindern'', erläutert Dr. Reese. Im Gegenteil - möglicherweise wird durch das gezielte Meiden von häufigen Allergenen die Allergiebereitschaft sogar noch gesteigert.

(Quelle: djd/ pt; Foto: djd/www.karlotta-unterwegs.de)

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