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Daumenlutschen

Daumenlutschen – Erinnern Sie sich noch?

Ganze Elterngenerationen liegen über dieser Frage im Streit. Verformt sich dadurch der Kiefer? Ist es ein Zeichen eines schlechten Umfeldes? Oder ist es völlig ungefährlich und normal?

Schon im Mutterleib nimmt das ungeborene Kind den Daumen in den Mund, und auch nach der Geburt ist es völlig normal, dass Kinder am Daumen lutschen. Der Mund ist für Babys und Kleinkinder ein wichtiges Sinnesorgan, mit dem sie so manche Entdeckung und Erfahrung machen. Alles wird in den Mund gesteckt, weil die Koordination der Hände und das "Begreifen" noch nicht so gut funktioniert. Dazu kommt noch der anfangs sehr ausgeprägte Saugreflex. Saugen, ob beim Stillen oder am Daumen, wirkt sehr beruhigend und scheint elementare Bedürfnisse zu befriedigen.

In den ersten beiden Lebensjahren völlig normal

Die meisten Kinder geben es nach zwei bis drei Jahren allmählich auf, am Daumen zu nuckeln oder zu lutschen. Länger wird der Daumen aber oft noch zum Einschlafen, bei Hunger, Langweile oder bei Angst benutzt. Die beruhigende Wirkung des Saugens kann man sich auch dadurch zu Nutze machen, dass man jede Mahlzeit bei Flaschenkindern 15-20 Minuten dauern lässt.

Sehr langes Daumenlutschen verformt den Kiefer

Nicht vergessen sollte man aber, dass ein Daumen eine andere Form hat als der Kiefer. Kieferorthopäden gehen von 300.000 Kindern in Deutschland aus, deren Kieferschäden auf Daumenlutschen zurückzuführen sind. Bis sich der Kiefer aber verschiebt, dauert es seine Zeit. Eine skandinavische Studie hat ergeben, dass es zwei Jahre dauert, bis sich Veränderungen am Oberkiefer, drei Jahre, bis sich Veränderungen am Unterkiefer zeigen. Bis zu diesem Zeitpunkt haben die meisten Kinder bereits von allein damit aufgehört.

Noch seltener sollen solche Veränderungen durch Schnuller hervorgerufen werden, denn sie sind weicher und dem Kiefer besser angepasst. Wie schwer der Kiefer verformt wird, hängt auch von der Häufigkeit und der Intensität des Daumenlutschens ab. Wenn Ihr Kind beispielsweise nur zum Einschlafen am Daumen lutscht, ist die Gefahr sehr viel geringer.

Zeichen für ein schlechtes Umfeld?

Kinderärzte warnen davor, das Daumenlutschen überzubewerten. Gerade in den ersten zwei Lebensjahren sollte man aufpassen, voreilige Schlüsse aus der Gewohnheit zu ziehen. Doch wenn ein Kind auch nach dem zweiten Lebensjahr auffallend oft am Daumen lutscht, sollte man zumindest andere Faktoren in Erwägung ziehen. Sehnsucht nach Zuwendung und Zärtlichkeit kann sich durchaus über den Daumen bemerkbar machen. Auch andere "Extremsituationen" wie Müdigkeit, Angst, Einsamkeit oder Erschöpfung können bei Kindern, die eigentlich nicht mehr am Daumen lutschen, zeitweise dazu führen, dass sie wieder darauf zurückgreifen.

Wie gewöhne ich es meinem Kind ab?

Auch wenn es aus kieferorthopädischer Sicht sinnvoll erscheint, den Kiefer in Ruhe wachsen zu lassen, bringen rabiate Entwöhnungsversuche selten den gewünschten Erfolg. Auch auslachen, beschimpfen oder Ähnliches ist eher kontraproduktiv. Der auf die Kinder ausgeübte Stress ist sogar ein starker Anreiz, sich mit dem Nuckeln zu beruhigen. Der Daumen landet dann unter Umständen sogar häufiger im Mund und wird fester an den Kiefer gepresst.

Ein Patentrezept gibt es nicht. Manche empfehlen, das Kind abzulenken. Gerade wenn das Daumenlutschen am Tag im Vordergrund steht, kann es eventuell helfen, mit dem Kind zu spielen oder gemeinsam rauszugehen. Ein entspanntes und ausgeglichenes Kind vergisst das Daumenlutschen schneller. Oft wird der Daumen dann nur noch zum Einschlafen in den Mund genommen. Ist das Kind eingeschlafen, fällt der Daumen von allein heraus.

Denken Sie immer daran, dass die meisten Kinder kurz nach dem dritten Lebensjahr mit dem Nuckeln aufgehört haben.

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